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Von Oliver Stenzel Stehender Kreis, Pumpgriff, Schröpf- oder Drehgriff: Diese Bezeichnungen mögen martialisch klingen, sind aber harmlos. Sie stammen aus der manuellen Lymphdrainage, die sowohl in der Kosmetik wie in der Medizin Anwendung findet. Die Methode wurde vom dänischen Physiotherapeuten Emil Vodder (1896-1986) entwickelt und beruht auf dem Prinzip, die Stauungen von Lymphflüssigkeit im Gewebe und in Lymphknoten durch sanfte Massage zu beseitigen. Im Gegensatz zu anderen Massagetechniken darf die Lymphdrainage nie schmerzen und soll die Durchblutung nicht fördern. Ehe die Lymphdrainage in den 1960er Jahren medizinisch genutzt wurde, wurde sie ausschließlich in der Kosmetik angewandt.
Perfekt geeignet bei empfindlicher Haut Nach wie vor gibt es dort zahlreiche Einsatzmöglichkeiten, erläutert Renate Raptis, Lehrerin für manuelle Lymphdrainage an der Anna-Hermann-Schule, Berufsfachschule für Kosmetik in Kerpen bei Köln. "Das Besondere ist, dass ich immer mehrere Wirkungen auf einmal habe." So wirke die Lymphdrainage günstig auf das Immunsystem und beuge somit Krankheiten vor. Zudem werde empfindliche und problematische Haut mit Neigung zu Allergien gestärkt. Eine Lymphdrainage könne auch bei der Neigung zu Tränensäcken, bei schweren Beinen sowie bei Narben helfen. Außerdem wirke die Lymphdrainage auf das vegetative Nervensystem, sagt Raptis. "Dadurch tritt eine allgemeine Beruhigung ein." Besonders erfolgreich ist die Anwendung bei Akne. "Mit Hilfe der Lymphdrainage können Bakterien, Zelltrümmer und Talg, die durch geplatzte Mitesser ins umliegende Gewebe gelangt sind, über die Lymphe abtransportiert werden", sagt die Dozentin. Dies beuge Entzündungen vor, die Symptome werden deutlich verbessert und die Narbenbildung verringert. Auch bei Cellulite wird die Massagetechnik eingesetzt. Wunder dürfe man aber keine erwarten. "Cellulite lässt sich nicht weglymphen, aber man kann bewirken, dass sie nicht schlimmer wird." Wer als Kunde Sicherheit haben will, eine fachgemäße Lymphdrainage zu erhalten, solle laut Raptis nach einem Schulungszertifikat der Deutschen Gesellschaft für Lymphologie fragen. Ein relativ neuer Zweig für den kosmetischen Einsatz der Lymphdrainage ist die Ästhetisch-Plastische Chirurgie. Werden bei Schönheitsoperationen Lymphgefäße durchtrennt, könne sich ein Ödem bilden. Das kann die Wundheilung verzögern und Narben verursachen. "Die Lymphdrainage wirkt dem entgegen", erklärt Raptis. Medizinisch wird die manuelle Lymphdrainage vor allem zur Behandlung von Lymphödemen eingesetzt. Diese können durch eine angeborene Schwäche der Lymphgefäße bedingt sein, aber auch durch Operationen oder Verletzungen entstehen, bei denen die Lymphbahnen unterbrochen werden. "Die Wirkungsweise der Lymphdrainage ist heute wissenschaftlich bewiesen", sagt Katharina Rüger, Chefärztin der auf die Behandlung von Lymphödemkrankheiten spezialisierten Feldbergklinik in St. Blasien im Schwarzwald. Laut Rüger kommt es bei Brustkrebsoperationen besonders häufig zu Armlymphödemen, "weil den Patientinnen oft ein Teil der Achsellymphknoten entfernt wird". Sinnvoll sei die Lymphdrainage nur als Bestandteil der Komplexen physikalischen Entstauungstherapie (KPE), sagt Oliver Gültig, Physiotherapeut in Aschaffenburg. "Ihr Effekt ist nach ein bis zwei Tagen vorbei." Für einen langfristigen Erfolg müssten alle vier Säulen der KPE kombiniert angewandt werden: Lymphdrainage, Kompressionsverbände, Hautpflege sowie Bewegungstherapie. Ein Grund dafür, dass die manuelle Lymphdrainage noch zu selten angewandt wird, ist, dass die Lymphologie nicht zur universitären Ausbildung gehört, sondern über Weiterbildungen vermittelt wird. Dennoch hat Deutschland eine klare Vorreiterrolle, sagt die Medizinerin Rüger: "Hier gibt es die meisten dafür ausgebildeten Physiotherapeuten." Die manuelle Lymphdrainage ist bei medizinischer Anwendung als Behandlungsmethode von den Ersatzkassen anerkannt. In diesem Fall wird sie von Physiotherapeuten ausgeführt, bei kosmetischen Anwendungen von Kosmetikern mit entsprechender Zusatzausbildung.
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