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Auch Männerhaut verträgt Make up
von Melanie Nicolai KERPEN-HORREM. Zehn Tische mit großen Spiegeln und gutem Licht, davor hohe Stühle, die an Regisseurstühle erinnern. Einige Paletten Lidschatten und Lipliner in sämtlichen Farben, Wimperntusche, Puder, Rouge, sowie ein für "Normalschminker" beeindruckendes Arsenal an Pinseln, Bürstchen oder Spachteln. So sieht es im neuen Fachraum der Anna-Hermann-Schule im Präha Bildungszentrum aus. Ab dem kommenden Frühjahr können sich die Schülerinnen zusätzlich zur dreijährigen Ausbildung zur Kosmetikerin zur Visagistin weiterbilden lassen. Die Anna-Hermann-Schule gestaltete die alte Gymnastikhalle gleich links vom Eingang des Präha-Bildungszentrum zu einem wahren Make-up-Tempel um. Im hinteren Teil des Raumes gibt es eine Theke und Vitrinen für die Aufbewahrung der Kosmetikartikel. Dort können die Schülerinnen und Schüler dann auch Verkaufssituationen üben. Zudem ist der Raum mit einer Leinwand ausgestattet, und Vorhänge ermöglichen ein völliges Abdunkeln des Raumes für Fotosessions. "Wir haben den Raum so umgestaltet, dass der Unterricht in dekorativer Kosmetik auf ein professionelles Niveau gehoben wird", sagte Schulleiter Peter Gseller. Der Bedarf, auch im Bereich Visagistik zu arbeiten und sich zum Make-up-Artist fortbilden zu lassen, sei hoch, berichtete Bildungsgangleiterin Renate Raptis. Unterrichten werden Jeanette Augusto und Natascha Feist. Augusto ist "3rd Winner of the International Masters' Award Make-Up 2005" und Deutsche Make-up-Meisterin 2004 und unterrichtet die Schülerinnen im Ausbildungsgang Kosmetik im zweiten und dritten Lehrjahr. "Ich möchte den Schülerinnen besonders die Make-up-Beratung beibringen", sagte Augusto. "Sie sollen lernen, ein dem Typ gerechtes Make-up zu erstellen." Dabei sei auch wichtig, dass die Schülerinnen lernten, die Kunden nicht zu bewerten. In der Schule erheben viele noch Ansprüche - wollen zum Beispiel die beste Freundin oder das Mädchen mit den schönen großen Augen schminken. "Im Berufsalltag muss man jedoch mit allen Gesichtern klar kommen", sagte Augusto. Natascha Feist ist Absolventin der Anna-Hermann-Schule und arbeitet als Visagistin. Sie erzählte beim Berufsinformationstag von ihrem Arbeitsalltag. Der gestaltet sich jedoch gar nicht allzu alltäglich, fliegt Feist doch mit Fotografen nach San Turini oder im nächsten Jahr nach Kuba, um dort Models für Foto-Shootings, Werbung oder Fernsehen zu schminken. "Man ist freiberuflich unterwegs", erläuterte Feist. "Ich arbeite auch für Privatpersonen. So ist der Beruf sehr vielfältig." Auch Bräute macht Feist für deren großen Tag hübsch. Beim Berufsinformationstag schminkte sie übrigens auch Philipp Schuhmann, der sich am Lehrinstitut für Physiotherapie zum Physiotherapeuten ausbilden lässt. Immer häufiger würden sich auch Männer schminken, hat Feist beobachtet. Ein wenig Concealer zum Abdecken dunkler Augenschatten und schon meinte Schuhmann: "Mal sehen, was meine Mutter dazu sagt. Vielleicht: 'Ach, hast du endlich mal ausgeschlafen.'" Privat will Schuhmann jedoch nicht dazu übergehen, morgens Puder aufzulegen. "Ich traue mir die Fertigkeiten, mich selbst zu schminken, nicht zu. Ich habe schon beim Rasieren Probleme."
» Bilder und Eindrücke vom Berufsinformationstag am Präha Bildungszentrum in Kerpen
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